Schläge im Namen des Herrn

“Schläge im Namen des Herrn” lautet der Titel einer 2006 erschienenen Buchdokumentation von Peter Wensierski. Ende 2011 verfilmte der Regisseur Dror Zahavi das Buch unter anderem mit Senta Berger und Matthias Habich mit dem Titel “Und alle haben geschwiegen”, die im März 2013 im ZDF gesendet wurde. Im Anschluss daran folgte eine dreißigminütige Dokumentation unter demselben Titel.

Die Veröffentlichung der verdrängten Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik führte zu Eingeständnissen der Kirchen und schließlich zu einer Diskussion im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, die eine Aufarbeitung sowie Anerkennung und teilweiser Entschädigung von Opfern ermöglichte.

Die Publikation dieses Buches und des Filmes ermutigte viele ehemalige Opfer von Gewalt und Missbrauch in den Kinderheimen der Nachkriegszeit Ihr Schweigen zu brechen und es formierten sich Selbsthilfegruppen und Vereine, die bis heute hervorragende Arbeit bei der Aufklärung um die dunkle Pädagogik leisten. Die erneute Auseinandersetzung mit dem Kindheitstrauma ist vielen Betroffenen schwergefallen, umso mehr ist ihr spätes Zeugnis ein Mahnmal.

Ihr Schicksal ist kaum bekannt: Bis in die siebziger Jahre hinein wurden mehr als eine halbe Million Kinder sowohl in kirchlichen wie staatlichen Heimen Westdeutschlands oft seelisch und körperlich schwer mißhandelt und als billige Arbeitskräfte ausgebeutet. Viele leiden noch heute unter dem Erlebten, verschweigen diesen Teil ihres Lebens aber aus Scham – selbst gegenüber Angehörigen.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.03.2006

Matthias Drobinski mochte “manchmal gar nicht mehr weiterlesen”, derart “entsetzlich”, schreibt er, glichen sich die von Peter Wensierski über Jahre gesammelten und in diesem Buch festgehaltenen Erinnerungen Erwachsener an den Alltag in kirchlichen Heimen in den 50er und 60er Jahren. Entsetzlich vor allem wegen der laut Drobinski bei den Opfern bis heute nachwirkenden brutalen Erniedrigung und Drangsalierung durch sadistische Kirchenpädagogen. Staunend vermerkt der Rezensent die dennoch gewahrte Nüchternheit im Stil und die Faktentreue des Textes, die ihn von vergleichbaren Erlebnisberichten mit Opferperspektive absetzten. Die weich gezeichneten 50er und 60er Jahre haben für Drobinski durch diese Lektüre einen tiefen Kratzer bekommen. Die hierdurch bereits angeschobene Geschichtsrevision, wünscht er sich, möge “zur Pflicht der Heime” werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2006

Erschüttert zeigt sich Antonia von Alten von dieser Geschichte der Heimkinder in der frühen Bundesrepublik, die Peter Wensierski vorgelegt hat. Dessen präzise Darstellung des miserablen Umgangs mit den Kindern, seine Schilderung persönlicher Schicksale von Misshandlung, Demütigung, Ausbeutung in den Heimen sind nach Ansicht Altens “nichts für Zartbesaitete”. Sie hebt die zahlreichen von Wensierski zusammengetragenen Berichte von Betroffenen hervor, die bis heute von ihren Erlebnissen traumatisiert sind.

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